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Dynamische Stromtarife für Unternehmen

So profitieren Betriebe von flexiblen Strompreisen

Energiekosten sind für viele Unternehmen ein großer Kostenblock. In energieintensiven Branchen können sie sogar die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend beeinflussen. Dynamische Stromtarife für Unternehmen können hier ein wirksamer Hebel sein. Sie orientieren sich an den schwankenden Preisen der Strombörse und ermöglichen es, Kosten zu senken, indem Unternehmen ihren Stromverbrauch in Zeiten niedriger Börsenpreise verlagern. Steigende Börsenpreise können allerdings auch zu höheren Stromkosten führen.

Worauf sollten Unternehmen achten, und was brauchen sie, um dynamische Tarife wirtschaftlich zu nutzen?

Grafik mit Entwicklung der Strompreise als Beispiel für dynamische Stromtarife für Unternehmen.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst


  • Dynamische Stromtarife für Unternehmen bieten die Möglichkeit, schwankende Börsenstrompreise gezielt zu nutzen und Stromkosten zu senken. Dafür müssen Unternehmen ihren Strombezug in günstige Zeiten verlagern können.
  • Besonders attraktiv können sie für Unternehmen mit Batteriespeichern oder größeren, flexibel steuerbaren Verbrauchern wie Ladeinfrastruktur sein. Eine eigene PV-Anlage kann das Energiekonzept ergänzen.
  • Risiken entstehen durch hohe Börsenpreise, ungenaue Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen sowie zusätzliche Lastspitzen. Diese können bei leistungsabhängigen Netzentgelten die Kosten erhöhen.
  • Ein Commercial Energy Management System (CEMS) verknüpft Stromerzeuger, Speicher und Verbraucher. Es berücksichtigt verfügbare Strompreisdaten und betriebliche Anforderungen, um die Energieflüsse zu planen, günstige Preisphasen zu nutzen und Lastspitzen zu vermeiden.

Was ist ein dynamischer Stromtarif?


Bei einem Stromvertrag mit Festpreis zahlt ein Unternehmen einen vereinbarten Preis pro Kilowattstunde. Wie lange dieser unverändert bleibt, hängt vom Umfang und der Dauer der Preisgarantie ab. Bei einem dynamischen Stromtarif verändert sich dagegen der börsenabhängige Anteil des Strompreises in festgelegten Zeitintervallen. Viele Tarife orientieren sich am Day-Ahead-Markt der Strombörse EPEX SPOT. Dort werden die Preise für den folgenden Tag festgelegt. Sie können sich von Viertelstunde zu Viertelstunde unterscheiden. Netzentgelte, Steuern und weitere Preisbestandteile kommen hinzu.

Ein hohes Angebot an Strom aus Sonne und Wind kann die Börsenpreise senken. Bei knappem Angebot und hoher Nachfrage können sie steigen. Unternehmen können diese Schwankungen nutzen, indem sie ihren Stromverbrauch gezielt in günstige Zeiten verlagern.

Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromlieferanten Kunden mit einem intelligenten Messsystem einen dynamischen Stromtarif anbieten. Das regelt § 41a Absatz 2 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Dynamische Tarife schaffen damit einen finanziellen Anreiz, Strom in Zeiten niedriger Börsenpreise zu verbrauchen. Das entlastet jedoch nicht automatisch die örtlichen Verteilnetze. Wenn viele Verbraucher gleichzeitig günstige Preisphasen nutzen, können zusätzliche Lastspitzen entstehen. Unternehmen sollten deshalb bei der Steuerung ihres Stromverbrauchs sowohl die Börsenpreise als auch ihre Netzbezugsleistung berücksichtigen.

Wie der Preis bei dynamischen Stromtarifen entsteht  


Am Day-Ahead-Markt der Strombörse EPEX SPOT geben Marktteilnehmer bis 12 Uhr Kauf- und Verkaufsgebote für jede Viertelstunde des Folgetags ab. Aus Angebot und Nachfrage ergibt sich für jedes Zeitintervall ein Börsenpreis. Die Ergebnisse werden normalerweise gegen 13 Uhr veröffentlicht und stehen anschließend fest. Unternehmen mit einem daran gekoppelten dynamischen Stromtarif wissen deshalb bereits am Vortag, wann der börsenabhängige Preisbestandteil niedrig oder hoch ausfällt.

Kurzfristige Abweichungen, etwa durch den Ausfall eines Kraftwerks, können Marktteilnehmer anschließend über den Intraday-Markt ausgleichen. Die bereits festgelegten Day-Ahead-Preise ändern sich dadurch nicht. Viele dynamische Stromtarife orientieren sich an diesen Preisen.

Für Unternehmen liegt darin ein Einsparpotenzial. Wenn sie ihren Stromverbrauch aus teuren in günstigere Zeitfenster verlagern, können sie ihre Stromkosten senken. Wie groß die Ersparnis ausfällt, hängt von den Preisunterschieden, dem verschiebbaren Verbrauch und möglichen Zusatzkosten ab. Zusätzliche Lastspitzen können beispielsweise bei leistungsabhängigen Netzentgelten den finanziellen Vorteil verringern.

Die Preisschwankungen können erheblich sein. Am 1. Mai 2026 fiel der Day-Ahead-Preis in Deutschland um die Mittagszeit zeitweise auf minus 499,99 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht rund minus 50 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Wert betrifft jedoch nur den Börsenpreis, nicht den gesamten Strompreis des Unternehmens.

Zum Börsenpreis kommen je nach Vertrag unter anderem Anbieteraufschläge, Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen hinzu. Diese Preisbestandteile folgen nicht automatisch den Schwankungen der Strombörse. Ein negativer Börsenpreis bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass auch der insgesamt berechnete Preis pro Kilowattstunde negativ ist.

Dynamischer Stromtarif im Gewerbe: zwei Varianten


Unternehmen können börsenabhängige Strompreise über unterschiedliche Tarif- und Vertragsmodelle nutzen. Zwei typische Möglichkeiten sind:

  1. Kleinere und mittlere Betriebe, deren Verbrauch bislang über ein Standardlastprofil abgerechnet wird, können mit einem intelligenten Messsystem einen dynamischen Stromtarif wählen. Die Abrechnung berücksichtigt dabei den tatsächlich gemessenen Verbrauch in den jeweiligen Zeitintervallen. Die Angebotspflicht der Stromlieferanten regelt § 41a EnWG.
  2. Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM), die in der Regel bei mehr als 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zum Einsatz kommt, können börsenpreisgebundene Lieferverträge abschließen. Dabei beziehen sie Strom vollständig oder teilweise zu Spotmarktpreisen. Mischmodelle kombinieren einen Festpreis für einen Teil der Strommenge mit einem börsenabhängigen Anteil.

Bei beiden Modellen kann ein flexibel steuerbarer Stromverbrauch helfen, Kosten zu senken. Entscheidend sind die Preisunterschiede, die Vertragsbedingungen und mögliche Zusatzkosten, etwa durch zusätzliche Lastspitzen.

Voraussetzungen für Unternehmen


Damit ein Stromlieferant viertelstundengenau abrechnen kann, muss er den Verbrauch für jedes dieser Zeitintervalle kennen. Die erforderlichen Messwerte liefert ein intelligentes Messsystem (iMSys), auch Smart Meter genannt, oder eine registrierende Leistungsmessung (RLM). Welche Messtechnik erforderlich ist, hängt vom Tarif und den Gegebenheiten am Standort ab.

Ein betriebliches Energiemonitoring ersetzt die abrechnungsrelevante Messung nicht. Es hilft jedoch, Verbrauchsmuster zu erkennen und Möglichkeiten zur zeitlichen Verlagerung des Stromverbrauchs zu identifizieren.

Für die gezielte Nutzung günstiger Preisphasen ist Flexibilität entscheidend. Unternehmen, die ihren Stromverbrauch zeitlich verschieben oder Strom in einem Batteriespeicher zwischenspeichern können, erschließen zusätzliche Einsparpotenziale. Ob sich ein dynamischer Tarif lohnt, hängt aber auch vom bestehenden Verbrauchsprofil und den Vertragsbedingungen ab.

Industrieunternehmen: Voraussetzungen für dynamische Stromtarife in Unternehmen.

Vor- und Nachteile dynamischer Stromtarife für Unternehmen


VorteileNachteile
Einsparpotenzial durch die Verlagerung des Stromverbrauchs in günstige Zeitfenster.Risiko hoher Börsenpreise bei knappem Angebot, etwa bei wenig Wind und Sonne im Winter.
Günstige Beschaffungspreise bei hohem Stromangebot, zeitweise auch negative Börsenpreise.Stromkosten lassen sich schwerer planen und budgetieren.
Zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten im Zusammenspiel mit PV-Anlage und Batteriespeicher.Zusätzliche Lastspitzen können leistungsabhängige Netzentgelte erhöhen.
Gezielte Nutzung günstiger Preisphasen durch flexible Steuerung.Der wirtschaftliche Nutzen hängt vom Verbrauchsprofil, der Steuerung und den Vertragsbedingungen ab.

Das Einsparpotenzial dynamischer Stromtarife kann für Unternehmen erheblich sein. Die wetterabhängige Stromerzeugung aus Sonne und Wind trägt zu Schwankungen der Börsenpreise bei. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, können die Preise sogar negativ werden. Unternehmen können diese Phasen für ihren Strombezug nutzen. Je nach Tarif fällt dann der börsenabhängige Preisbestandteil negativ aus. Netzentgelte, Steuern und weitere Aufschläge kommen jedoch hinzu. Ein negativer Börsenpreis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Unternehmen für ihren Strombezug Geld erhalten.

Für Unternehmen mit eigener PV-Anlage ist auch die Einspeisung relevant. Bei Anlagen, auf die § 51 EEG Anwendung findet, entfällt in den betreffenden negativen Preisintervallen die EEG-Förderung. Welche Regelung gilt, hängt unter anderem vom Inbetriebnahmedatum, der Anlagenleistung und der Ausstattung mit einem intelligenten Messsystem ab. In der Direktvermarktung können je nach Vertrag zusätzlich Vermarktungsverluste entstehen. Wie Unternehmen damit umgehen können, zeigt unser Beitrag zur Nulleinspeisung.

Ein weiteres Risiko sind ungenaue Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen. Die Day-Ahead-Preise stehen zwar am Vortag fest, der tatsächliche Stromverbrauch und die PV-Erzeugung können jedoch von der Planung abweichen. Zieht unerwartet eine Wolkenfront auf oder läuft die Produktion länger als geplant, muss das Unternehmen möglicherweise zusätzlichen Netzstrom in einem teuren Zeitfenster beziehen. Längere Hochpreisphasen, etwa bei wenig Wind und Sonne im Winter, lassen sich durch kurzfristige Verbrauchsverlagerungen nur begrenzt ausgleichen.

Auch zusätzliche Lastspitzen können die Ersparnis schmälern. Bei Unternehmen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) richtet sich das jährliche Leistungsentgelt in der Regel nach der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung im Abrechnungsjahr. Laden beispielsweise viele Fahrzeuge gleichzeitig in einem günstigen Zeitfenster, kann eine neue Jahreshöchstleistung entstehen. Diese kann die Netzentgelte erhöhen und den Vorteil niedriger Beschaffungspreise teilweise oder vollständig aufheben.

So nutzen Unternehmen dynamische Stromtarife mit einem CEMS


Die Risiken sind für Unternehmen mit PV-Anlage, Speicher und steuerbaren Verbrauchern kein Grund, auf dynamische Tarife zu verzichten. Entscheidend ist eine intelligente Steuerung durch ein Commercial Energy Management System (CEMS). Es verknüpft die eingebundenen Erzeuger, Speicher und Verbraucher des Unternehmens, macht die Energieflüsse transparent und erkennt typische Verbrauchsmuster. Daraus erstellt es einen Energiefahrplan, der Strompreise, Wetterprognosen und Kalenderdaten wie Wochenenden und Feiertage berücksichtigt.

Weil das CEMS die Day-Ahead-Preise des Folgetags kennt und für die kommenden sieben Tage Erzeugung und Verbrauch prognostiziert, kann es Netzstrom gezielt in bestimmten Zeitfenstern beziehen und den Batteriespeicher laden, wenn Strom günstig ist. In teuren Stunden greift das Unternehmen auf gespeicherte Energie zurück. Den Fahrplan aktualisiert das System im Viertelstundentakt. Weichen Erzeugung oder Verbrauch von der Prognose ab, reagiert es sofort.

CEMS Energiemanagementsystem von energielenker solutions für Gewerbe und Industrie

Gleichzeitig behält das CEMS die Lastspitzen im Blick. Es verteilt flexible Verbraucher, um zusätzliche Lastspitzen zu vermeiden, und kappt Spitzen bei Bedarf mit dem Speicher (Peak Shaving). Auch die möglichst hohe Nutzung des selbst erzeugten Solarstroms fließt in die Planung ein: Er wird möglichst vollständig im Betrieb genutzt. Steht am Wochenende die Produktion still, plant das CEMS die Überschüsse im Energiefahrplan ein: Der Batteriespeicher nimmt sie auf, soweit seine Kapazität reicht, und stellt sie zum Beispiel für den Wochenstart bereit.

Für welche Unternehmen lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?


Dynamische Stromtarife können sich besonders für Unternehmen lohnen, die ihren Stromverbrauch flexibel steuern können. Dazu zählen Betriebe mit Batteriespeichern oder steuerbaren Verbrauchern wie Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen, Kälteanlagen und zeitlich verschiebbaren Produktionsprozessen. Eine eigene PV-Anlage kann das Energiekonzept ergänzen, ist aber keine Voraussetzung.

Unternehmen, die ihren Verbrauch kaum verlagern können, sind Preisschwankungen stärker ausgesetzt. Für sie kann ein Festpreistarif oder ein Mischmodell mit festem und börsenabhängigem Preisanteil besser passen. Entscheidend sind das individuelle Verbrauchsprofil, die Vertragsbedingungen und die gewünschte Planungssicherheit.

Fazit: Dynamische Stromtarife für Unternehmen gezielt nutzen 


Stromkosten beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Dynamische Stromtarife können helfen, diese Kosten zu senken, insbesondere wenn sich der Verbrauch flexibel steuern oder Strom zwischenspeichern lässt. Ein CEMS stimmt Stromerzeuger, Speicher und steuerbare Verbraucher aufeinander ab. So lassen sich günstige Preisphasen gezielt nutzen, selbst erzeugter Solarstrom einbinden und Lastspitzen begrenzen. Ob sich das wirtschaftlich lohnt, hängt vom Verbrauchsprofil, den Vertragsbedingungen und der verfügbaren Flexibilität ab.

Du möchtest dynamische Stromtarife für dein Unternehmen gezielt nutzen? Wir zeigen dir, wie unser CEMS deine Energieflüsse vorausschauend plant und steuert.

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